« Avoir une autre langue, c’est posséder une deuxième âme. »
„Eine weitere Sprache zu besitzen bedeutet, eine zweite Seele zu haben.“
Unter anderem dieses Zitat von Charlemagne/Karl dem Großen fiel während der Siegerehrung des EU-Übersetzungswettbewerbs „Juvenes Translatores“. Doch es handelte sich hier nicht bloß um leere Worte: In Brüssel, dem Veranstaltungsort dieser Zeremonie, treffen täglich unzählige Menschen, Kulturen, Sprachen und Seelen aufeinander.
Im politischen Herz der Europäischen Union arbeitet das sogenannte DGT (= Directorate General for Translation, Deutsch: Generaldirektion Übersetzung) ununterbrochen auf Hochtouren, um den internationalen Austausch in Politik und Diplomatie auf sprachlicher Ebene zu ermöglichen. Abgesehen von so manchen Ausbildungs- und Fördermöglichkeiten für mehrsprachig begabte Studierende, veranstaltet das DGT für Schüler*innen den jährlichen Übersetzungswettbewerb „Juvenes Translatores“, wo Teilnehmer*innen mit Übersetzungstexten arbeiten, die sie aus einer beliebig gewählten EU-Amtssprache in eine weitere europäische Zielsprache ihrer Wahl übersetzen. Relativ zur Anzahl an Sitzen im EU-Parlament wird die Anzahl an teilnehmenden Schulen pro Staat bestimmt – in Österreich waren es heuer 20 Schulen, die durch Zufall ausgewählt wurden.
Die Biondekgasse hatte im Schuljahr 2025/26 das Glück, erstmals für eine Teilnahme ausgewählt zu werden – eine Chance, die ich nutzte, um meine etwas verrosteten Ungarischkenntnisse auf die Probe zu stellen. Ganz zu meiner Überraschung erreichte meine ungarisch-deutsche Übersetzung die österreichweit den ersten Platz. Auf die Verkündung der Sieger*innen im Februar folgte eine Einladung zur Preisverleihung in Brüssel Ende März.
Begleitet von meinen Eltern und Mag. Sprachowitz, der ich ursprünglich die Empfehlung zur Teilnahme zu verdanken habe, erwartete uns als „Team Austria“ ein umfangreiches Programm. Neben einer aufwendig gestalteten Siegerehrung, wo jeweils eine siegreiche Übersetzung pro EU-Mitgliedsstaat gekürt wurde, erhielten wir einen exklusiven Einblick in die Arbeitspraxis des DGT in den Bereichen Simultan- und Textübersetzung – eine Vorstellung des Übersetzungsberufs mit dem Potential, die Tore zu neuen Karrieremöglichkeiten zu eröffnen.
Was in mir, abgesehen von der großzügigen Verpflegung, ebenfalls einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat? Neue Bekanntschaften mit Sprachtalenten aus allen EU-Staaten! Innerhalb kürzester Zeit entstand eine Gemeinschaft unter den Sieger*innen, geprägt durch die gemeinsame Erfahrung bei diesem Wettbewerb. Am Ende fiel der Abschied beinahe schwer – doch die Kontakte bleiben. Auf ein baldiges Wiedersehen!
Jonathan Unger, 8cg

